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Flamingos
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Die Flamingos (Phoenicopteridae) sind die einzige Familie innerhalb der Ordnung der Phoenicopteriformes. Sie kommen in SĂŒd-, Mittel- und Nordamerika sowie Europa, Afrika und SĂŒdwestasien vor. Der einzige Vertreter der Ordnung, dessen natĂŒrliches Verbreitungsgebiet sich auch auf Europa erstreckt, ist der Rosaflamingo. Er kommt an der AtlantikkĂŒste Spaniens und Portugals sowie entlang des KĂŒstenbereichs des Mittelmeers sowie auf einigen Mittelmeerinseln vor.
Unterschiedliche Auffassungen in der Wissenschaft fĂŒhren zu einer Einteilung der Flamingos in fĂŒnf oder sechs Arten. Ihre gemeinsamen Merkmale sind das mehr oder weniger intensiv rosafarbene Gefieder sowie der hochspezialisierte Schnabel und der Zungenapparat. Die verwandtschaftliche Einordnung der Flamingos war lange Zeit ungeklĂ€rt, bis sie durch Untersuchungen in den 2000er-Jahren als Schwestergruppe der Lappentaucher erkannt wurden.
Contents
âą Merkmale
âą Lebensweise
âą Fortpflanzung
âą Systematik
âą Zitierte Quellen
âą Literatur
âą Weblinks
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Merkmale
Alle Flamingoarten sind einander sehr Ă€hnlich. Sie haben lange, dĂŒnne Beine, einen langen Hals und ein rosa Gefieder. Aufrecht stehend sind Flamingos 90 bis 155 cm hoch. Der Geschlechtsdimorphismus ist gering, die Geschlechter sind gleich gefĂ€rbt, MĂ€nnchen sind im Schnitt jedoch etwas gröĂer als Weibchen. Im VerhĂ€ltnis zur KörpergröĂe sind Hals und Beine bei ihnen lĂ€nger als bei allen anderen Vögeln. Gemessen an der LĂ€nge des Halses ist die Zahl der Halswirbel mit 17 nicht ĂŒberdurchschnittlich groĂ; bei SchwĂ€nen z. B. sind es 25. Der Kopf ist im VerhĂ€ltnis zur KörpergröĂe sehr klein, ebenso die FĂŒĂe; beim Rosa-, Chile- und Zwergflamingo zeigt die erste Zehe nach hinten und die ĂŒbrigen drei nach vorn (anisodaktyl), den Anden- und Jamesflamingos fehlt die erste Zehe (tridaktyl). Die nach vorne gerichteten Zehen sind durch SchwimmhĂ€ute verbunden.
Die RosafĂ€rbung des Gefieders ist auf die Aufnahme von Carotinoiden mit der Nahrung zurĂŒckzufĂŒhren. Diese sind vor allem in planktonischen Algen enthalten. Der Flamingo-Organismus kann diese Carotinoide mit Hilfe von Enzymen in der Leber umwandeln; dabei entstehen mehrere Pigmente, vor allem Canthaxanthin, das in Haut und Federn ausgewachsener Flamingos eingelagert wird. Jungvögel haben ein graues Gefieder mit keinen oder wenigen rosa Pigmenten.
Ein weiteres Kennzeichen der Flamingos ist der nach unten geknickte Seihschnabel, mit dem sie â mit der Oberseite nach unten â Plankton aus dem Wasser oder Schlamm filtrieren. Die SchnabelrĂ€nder sind mit feinen Lamellen besetzt, zusammen mit der Zunge bilden sie einen Filterapparat, der eine Ă€hnliche Funktion wie die Barten der Bartenwale erfĂŒllt.
Flamingos sind gute Schwimmer, nutzen diese FĂ€higkeit aber nicht oft. Ihre langen Beine ermöglichen ihnen auch noch das Waten in gröĂeren Tiefen. Im Flug halten sie den Hals gestreckt, die FlĂŒgel werden schnell und regelmĂ€Ăig geschlagen; Gleitphasen sind selten. Sie erreichen Fluggeschwindigkeiten von 50 bis 60 km/h. In Gruppen fliegende Flamingos bilden meist energiesparende V-Formationen. Sowohl vor dem Start als auch nach der Landung werden fĂŒr gewöhnlich einige laufende Schritte getan.
WĂ€hrend Flamingos fĂŒr den Stand auf zwei Beinen Muskelkraft benötigen, können sie mit nur minimaler Anstrengung auf einem Bein balancieren. Wenn das eine Bein angehoben wird, verschiebt sich der Körperschwerpunkt ĂŒber das andere Bein. Ein zusĂ€tzlicher âArretiermechanismusâ sorgt fĂŒr die nötige StabilitĂ€t, sodass das Balancieren auf einem Bein selbst im Schlaf möglich ist. In der Theorie funktioniert dieser Mechanismus auch, wenn der Vogel tot ist.cite-ref-1[1]
Verbreitung und Lebensraum
Obwohl Flamingos oft fĂŒr Vögel tropisch-warmer Regionen gehalten werden, sind sie vor allem auf der SĂŒdhalbkugel der Erde auch in gemĂ€Ăigten und kalten Zonen zu finden. Am hĂ€ufigsten sind Flamingos in Afrika sowie in SĂŒd- und Mittelamerika vertreten, in Asien reicht das Vorkommen von Anatolien ĂŒber den Iran bis in den Westen Indiens. GröĂere Vorkommen in Europa gibt es in Spanien (z. B. Coto de Doñana), SĂŒdfrankreich (Camargue), auf Sardinien und in Griechenland.
Seit den 1980er Jahren werden Flamingos auch im Norden Frankreichs, in den Niederlanden, DĂ€nemark und Deutschland beobachtet. Bei den gesichteten Chile- und Kubaflamingos handelt es sich eindeutig um GefangenschaftsflĂŒchtlinge. Die Herkunft der sich ebenfalls in diesen Regionen aufhaltenden Rosaflamingos ist unklar. Da wilde Rosaflamingos aber nur sehr selten mehr als 500 Kilometer nördlich der MittelmeerkĂŒste beobachtet werden, scheint es sicher, dass es ursprĂŒnglich ebenfalls GefangenschaftsflĂŒchtlinge waren.cite-ref-2[2]
Im Zwillbrocker Venn, einem Feuchtgebiet im MĂŒnsterland an der deutsch-niederlĂ€ndischen Grenze, gibt es eine kleine Brutkolonie mit Rosa- und Chileflamingos, die die nördlichste Flamingo-Kolonie der Welt darstellt.cite-ref-3[3] Die Brutkolonie zĂ€hlte im Jahr 2023 ca. 50 Vögel, die im Herbst in wĂ€rmere Gebiete fliegen.
Das ideale Habitat fĂŒr Flamingos sind alkalische oder salzige Seen. Manche dieser GewĂ€sser haben hohe Anteile an Chloriden, Natriumcarbonaten, Sulfaten oder Fluoriden. Unter solchen Bedingungen kann kaum ein anderes Wirbeltier existieren; die Flamingos trinken dennoch das Wasser und ernĂ€hren sich von den wenigen Organismen, die diese Umwelt tolerieren. Nicht alle Seen, die Flamingos beherbergen, sind derart extrem. Vor allem fĂŒr die groĂen Arten gilt, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Fehlen von Fischen und der Anwesenheit von Flamingos gibt. Fische sind fĂŒr Flamingos Nahrungskonkurrenten; wo Fische zahlreich sind, fehlen Flamingos. Bei den kleineren Flamingo-Arten spielt diese Wechselwirkung eine geringere Rolle, da sie vor allem von Kieselalgen und Cyanobakterien leben. Selten findet man Flamingos auch in Meeresbuchten, so an den KĂŒsten Tunesiens und Mauretaniens.
Lebensweise
AktivitÀtsmuster
Flamingos sind tag- und nachtaktiv, viele Arten fressen sowohl am Tage als auch in der Nacht. In der Camargue sind brĂŒtende Vögel tag- und nachtaktiv, wĂ€hrend nicht brĂŒtende fast nur nachts unterwegs sind und tagsĂŒber schlafen. In Afrika sind Rosaflamingos hingegen ĂŒberwiegend am Tage, Zwergflamingos dagegen zumeist in der Nacht aktiv.
Alle Flamingos sind sehr gesellig, die Kolonien bestehen oft aus Tausenden oder Zehntausenden Individuen. Am gröĂten sind einige Kolonien des Zwergflamingos in Ostafrika, die bis zu eine Million Individuen umfassen können.
Nahrung und ErnÀhrungsweise
Flamingos können sowohl bei Tag als auch bei Nacht nach Nahrung suchen. Ihr Tagesrhythmus variiert abhĂ€ngig vom jeweiligen Verbreitungsgebiet und der Jahreszeit. Da sie als verhĂ€ltnismĂ€Ăig groĂe Vögel zu einem groĂen Teil von kleinen oder gar sehr kleinen Organismen leben, sind die Vögel hĂ€ufig gezwungen, nicht nur wĂ€hrend der Tagesstunden nach Nahrung zu suchen.cite-ref-frank-c-zilly-2007-4-0[4] Auch Störungen in den Nahrungsgebieten können Einfluss auf den Tagesrhythmus haben. So suchen Rosaflamingos beispielsweise in Spanien und SĂŒdfrankreich am Abend Reisfelder auf, weil sie dann dort ungestört fressen können.cite-ref-frank-c-zilly-2007-4-1[4]
Nahrungsspektrum
Flamingos haben sich auf eine ErnĂ€hrung von Organismen des Planktons spezialisiert, den sie mit ihrem Seihschnabel aus dem Wasser filtern. Daneben nehmen sie aber auch gröĂere Beutetiere auf, die sie gewöhnlich per Sicht finden. Dazu zĂ€hlen Fische, Nereiden und Einsiedlerkrebse. Muscheln ertasten sie gelegentlich im Schlamm. Sie fressen auĂerdem auch die Samen von Wasserpflanzen, darunter auch Reis. Sie nehmen auch Schlamm zu sich, um an dessen organische Inhaltsstoffe zu gelangen.cite-ref-referencea-5-0[5]
Flamingos haben insgesamt ein sehr breites Nahrungsspektrum, da die Artzusammensetzung und die Dichte an geeigneten Beutetieren sich von Feuchtgebiet zu Feuchtgebiet unterscheiden können. In der gemĂ€Ăigten Klimazone können ihre Beutetiere auch starken saisonalen Schwankungen unterliegen. Zu den Beutetieren zĂ€hlen vor allem Kleinkrebse, MĂŒckenlarven, Weichtiere und RingelwĂŒrmer. Innerhalb dieses Spektrums gibt es regional unterschiedliche Vorlieben. In Europa ĂŒberwiegen KiemenfĂŒĂer der Gattung Artemia; in der Karibik werden neben Sumpffliegenlarven vor allem kleine Schnecken vertilgt; in den Seen Ostafrikas spielen ZuckmĂŒckenlarven und RuderfuĂkrebse die gröĂte Rolle. AbhĂ€ngigkeit von nur einer Art ist auf hypersaline GewĂ€sser begrenzt. In der Camargue ernĂ€hren sich Flamingos von fĂŒnfzehn verschiedenen Arten von Wirbellosen.cite-ref-referencea-5-1[5]
In einer Studie wurde der tĂ€gliche Nahrungsbedarf von Kubaflamingos in Venezuela ermittelt. Diese nehmen tĂ€glich 270 Gramm Nahrung zu sich, was 50.000 Insektenlarven entspricht. Eine Gruppe von 1500 Flamingos verzehrt demnach tĂ€glich das Ăquivalent von 75 Millionen Larven.cite-ref-6[6] Ein Zwergflamingo nimmt im Nakurusee tĂ€glich 60 Gramm Cyanobakterien zu sich. Da sich dort regelmĂ€Ăig Kolonien von einer Million Zwergflamingos versammeln, bedeutet dies eine tĂ€gliche Ausbeute von 60 Tonnen Cyanobakterien.
Filtern von Nahrungspartikeln
Plankton wird mit den Lamellen des Seihschnabels aus dem Wasser gefiltert, deren Funktion den Barten der Bartenwale vergleichbar ist. Auf den Lamellen sitzen wiederum feine HĂ€rchen. AuĂerdem ernĂ€hren sie sich von kleinen, roten Krebstieren. Die Farbstoffaufnahme beim Verzehr dieser Krebse ist auch fĂŒr die rosa FĂ€rbung einiger Flamingoarten verantwortlich. Zur Aufnahme von Plankton wird der Schnabel seitlich durch das Wasser geschwenkt und dabei nur halb geöffnet gehalten. Die Zunge fĂ€hrt bestĂ€ndig vor und zurĂŒck, um Wasser in den Schnabel und wieder hinaus zu befördern. Dabei gerĂ€t Wasser mit Nahrungspartikeln in den Innenraum des Schnabels. Die kleineren Arten haben Ă€uĂere Lamellen, die das Passieren zu groĂer Bestandteile verhindern. Die inneren Lamellen liegen hingegen waagerecht und erfĂŒllen im Moment des Hereinströmens noch keine Funktion. Erst wenn das Wasser hinausgepresst wird, richten sich die inneren Lamellen auf und hindern die Nahrungsbestandteile daran, nach auĂen zu gelangen. Gaumen und Zunge sind mit kleinen, nach hinten weisenden Stacheln besetzt, die fĂŒr den Transport der Partikel in Richtung des Verdauungstrakts sorgen.
Der ganze Vorgang des Ein- und Ausfahrens der Zunge geschieht extrem schnell; die groĂen Arten können vier- bis fĂŒnfmal je Sekunde Wasser in den Schnabel hinein- und hinauspumpen, wĂ€hrend der Zwergflamingo dies sogar zwanzigmal je Sekunde vermag. In den Details dieser Filterfunktion unterscheiden sich die Arten betrĂ€chtlich voneinander. Die groĂen Flamingos (Rosa- und Chileflamingo) haben einen ovalen Oberschnabel, der nicht genau auf den Unterschnabel passt, sondern eine etwa 6 mm groĂe LĂŒcke fĂŒr die Zunge lĂ€sst. Die Lamellen sind voneinander jeweils etwa 0,5 mm entfernt; Ă€uĂere Lamellen wie bei den kleineren Flamingos gibt es nicht. Die Nahrungspartikel, die aus dem Wasser geseiht werden, haben eine GröĂe zwischen 0,5 und 6 mm.
Die kleinen Flamingos (Zwerg-, Anden- und Jamesflamingo) haben einen im Querschnitt dreieckigen Oberschnabel, der lĂŒckenlos auf den Unterschnabel passt. Bei ihnen gibt es Ă€uĂere Lamellen, die zu groĂe Nahrungspartikel daran hindern, in den Schnabel zu gelangen. Diese LĂŒcken sind beim Zwergflamingo 1 Ă 0,4 mm groĂ. Die AbstĂ€nde zwischen den inneren Lamellen betragen maximal 0,05 mm. Die Nahrungspartikel haben also eine GröĂe zwischen 0,05 und 0,4 mm. In dieser GröĂe dienen nur noch Cyanobakterien und Kieselalgen als Nahrung.
Die unterschiedlichen Anpassungen haben zur Folge, dass Rosa- und Zwergflamingos nebeneinander nach Nahrung filtern können, ohne sich gegenseitig Konkurrenz zu machen. Die von Zwergflamingos vertilgte Nahrung wĂ€re fĂŒr Rosaflamingos zu klein, die Nahrung der Rosaflamingos fĂŒr Zwergflamingos zu groĂ.
Techniken der Nahrungssuche
Flamingos suchen in Trupps nach Nahrung, die mehrere tausend Individuen umfassen können. Bis jetzt ist nur unzureichend untersucht, was dazu fĂŒhrt, dass sich solche groĂen Ansammlungen zusammenfinden, und wie sie sich in den NahrungsgrĂŒnden verteilen. Untersuchungen an Kubaflamingos legen nahe, dass die Truppdichte von der VerfĂŒgbarkeit von Beutetieren abhĂ€ngt und dass Gruppen von nahrungssuchenden Individuen weitere anziehen und ihre Form der Nahrungssuche ihren Artgenossen auch Indikationen ĂŒber die Nahrungsdichte gibt.cite-ref-7[7]
Flamingos profitieren von einer gemeinsamen Nahrungssuche, weil das einzelne Individuum dann weniger Zeit aufwenden muss, um nach PrĂ€datoren und anderen Gefahren Ausschau zu halten. In der Regel verbessert die gemeinsame Nahrungssuche aber nicht die aufgenommene Nahrungsmenge. Es scheint jedoch davon Ausnahmen zu geben: Auf den Salzseen in der NĂ€he von Larnaka, Zypern, suchen Rosaflamingos gelegentlich in drei oder vier langen Reihen gemeinsam nach Nahrung. Die Zoologen Alan Johnson und Frank CĂšzilly vermuten, dass die vorderen Vögel so viele Artemia aufscheuchen, dass sie sie nicht alle fangen können, diese aber von den hinter ihnen schreitenden Vögeln gefangen werden. DĂŒnnschnabelmöwen schlieĂen sich gelegentlich den Flamingos an und profitieren ebenfalls von den aufgewirbelten Nahrungstieren.cite-ref-8[8]
Das Durchseihen von flachen GewĂ€sserzonen, wĂ€hrend sie langsam vorwĂ€rts schreiten, ist sicherlich die typischste Nahrungstechnik der Flamingos. Gelegentlich schwimmen Flamingos aber auch wĂ€hrend der Nahrungssuche und suchen schwanenĂ€hnlich am GewĂ€sserboden nach Nahrung. Dabei kippen sie mitunter ihre Körperachse ins Vertikale und paddeln mit den FĂŒĂen, um ihre Position zu halten. Eine weitere Technik, die nur bei Flamingos vorkommt, ist das sogenannte âStampingâ. Der im Wasser stehende Flamingo hĂ€lt dabei den Schnabel unter Wasser und dreht sich unter schnellen, stampfenden FuĂbewegungen im Kreis, wobei er mit dem Schnabel an einer Stelle verharrt. Durch diese Bewegungen entstehen in den Lagunen untertassenartige Bodenvertiefungen. Flamingos nutzen diese Technik nur, wenn der GewĂ€sserboden weich ist. Entweder nehmen sie dadurch Wirbellose und ihre Larven auf, die im Sand oder Schlamm vergraben sind, oder sie fressen den Schlamm, den sie durch diese Bewegung hochschleudern.cite-ref-9[9] GröĂere Beutetiere fangen sie gelegentlich in einer reiherĂ€hnlichen Manier. Entdecken sie beispielsweise kleine Fische oder Einsiedlerkrebse, die bei Ebbe in GezeitentĂŒmpeln gefangen sind, laufen sie mit nach vorne gestrecktem Hals rasch auf diese zu und nutzen den Schnabel zangenĂ€hnlich, um das Beutetier zu ergreifen.cite-ref-10[10]
NahrungsflĂŒge
Flamingos brĂŒten nur in Gebieten, in denen sie weitgehend ungestört sind und PrĂ€datoren nicht zur Kolonie vordringen können. Solche Stellen finden sich nicht notwendigerweise an GewĂ€ssern, die den Flamingos auch ausreichend Nahrung bieten. Bereits in den 1950er Jahren wurde berichtet, dass am Tengizsee brĂŒtende Rosaflamingos zur Nahrungssuche tĂ€glich Distanzen von 30 bis 40 Kilometer weit flögen, um in Feuchtgebieten in der Sawolschje Nahrung zu suchen. Erst in den 1960er Jahren wurde jedoch bekannt, wie groĂ die Distanzen sind, die einzelne Populationen zurĂŒcklegen. Eine der ersten genauer untersuchten Populationen waren Kubaflamingos, die auf Bonaire brĂŒteten. Ihre wichtigste Nahrungsquelle, eine Salzlagune im Bereich der Insel, wurde 1969 vom Wasserzufluss abgeschnitten. WĂ€hrend ein kleiner Teil der Population dieser Insel sich auf andere Nahrungsquellen umstellte, begann der gröĂere Teil der Population NahrungsgrĂŒnde aufzusuchen, die 140 Kilometer weiter sĂŒdlich an der KĂŒste Venezuelas lagen.cite-ref-referenceb-11-0[11]
Ăhnliche Feststellungen hat man mittlerweile auch fĂŒr andere Populationen und Regionen gemacht. Rosaflamingos gelten dabei als die Art unter den Flamingos, die die lĂ€ngsten NahrungsflĂŒge durchfĂŒhrt.cite-ref-referencec-12-0[12] An der Laguna de Fuente de Piedra im Binnenland Spaniens beginnen Rosaflamingos nur dann mit der Brut, wenn RegenfĂ€lle im vorausgegangenen Herbst und Winter zu einem ausreichenden Wasserstand in der Lagune gefĂŒhrt haben. Die Lagune beginnt jedoch im FrĂŒhjahr auszutrocknen und fĂ€llt hĂ€ufig noch im FrĂŒhsommer vollstĂ€ndig trocken, bevor die Jungvögel flĂŒgge sind. Die umliegenden Feuchtgebiete bieten nur einem kleinen Teil der in der Lagune brĂŒtenden Flamingos Nahrung. Ein groĂer Teil der dort brĂŒtenden Vögel sucht zum Fressen das MĂŒndungsgebiet von Guadalquivir und die Bucht von CĂĄdiz auf, die zwischen 140 und 200 Kilometer von der Brutkolonie entfernt liegen.cite-ref-referenceb-11-1[11] Flamingos fliegen wĂ€hrend der Nacht in die NahrungsgrĂŒnde. In der Brutkolonie sammeln sie sich in den Abendstunden zunĂ€chst an dem Uferabschnitt, der ihrem Zielgebiet am nĂ€chsten liegt. Mit Sonnenuntergang fliegen sie in ein oder zwei Gruppen auf, kreisen zunĂ€chst ĂŒber der Lagune, um Höhe zu gewinnen, und ziehen mit Einbruch der Dunkelheit ab. FĂŒr die Strecke, die sie zurĂŒcklegen mĂŒssen, benötigen sie mindestens zwei Stunden. Die meisten Flamingos bleiben mindestens einen Tag in den NahrungsgrĂŒnden und kehren in der nĂ€chsten Nacht zurĂŒck. Bei einigen hat man jedoch beobachtet, dass sie sofort nach dem FĂŒttern der Jungen erneut aufbrechen, so dass zumindest eine kleinere Zahl mindestens 300 Kilometer in der Nacht zurĂŒcklegt.cite-ref-referencec-12-1[12]
Fortpflanzung
Im gröĂten Teil ihres Verbreitungsgebietes sind Flamingos opportunistische BrĂŒter, die nur dann zur Brut schreiten, wenn ihr Lebensraum ihnen dazu geeignete Bedingungen bietet. Meist ist dies nach lĂ€ngeren, heftigen RegenfĂ€llen der Fall.cite-ref-s129-13-0[13] Es ist daher notwendig, dass Flamingos sehr schnell synchron zueinander in Brutstimmung kommen. Es wird in der Literatur noch kontrovers diskutiert, ob das mit seinen Verhaltenselementen stark ritualisierte Imponierverhalten diese Funktion wahrnimmt. Zumindest bei in Gefangenschaft gehaltenen Flamingos hat man eine zunehmende HĂ€ufigkeit und die IntensitĂ€t des Imponierverhaltens unmittelbar vor dem Beginn der Brut festgestellt. Die Zoologen Alan Johnson und Frank CĂ©zilly halten es jedoch fĂŒr sehr viel wahrscheinlicher, dass das Imponierverhalten vorwiegend die Funktion hat, einen geeigneten Fortpflanzungspartner zu finden.cite-ref-s129-13-1[13] DafĂŒr spricht unter anderem, dass das Imponierverhalten bereits lange vor der Fortpflanzungszeit beginnt.
Flamingos sind seriell monogame Vögel, das heiĂt, sie suchen wĂ€hrend jeder Fortpflanzungsperiode einen neuen Partner. Mehrere Verhaltenselemente des Imponierverhaltens können als eine Demonstration der körperlichen Fitness des individuellen Flamingos gesehen werden. Dazu zĂ€hlt unter anderem der sogenannte Wing Salute, bei dem Flamingos unter anderem die besonders farbintensiven Teile ihrer FlĂŒgel demonstrieren. Die IntensitĂ€t der FĂ€rbung zeigt an, in welchem MaĂe das einzelne Individuum in der Lage ist, Carotinoiden mit der Nahrung aufzunehmen und zu verstoffwechseln.cite-ref-s129-13-2[13]
Einzelne Elemente des Imponierverhaltens
Die Nomenklatur fĂŒr die einzelnen Elemente des Imponiergehabes stammt von dem Zoologen Phil Kahl und ist bis heute ĂŒblich.cite-ref-14[14] Die meisten dieser Verhaltenselemente hat man bei allen Flamingo-Arten beobachtet, obwohl sie in den Details voneinander abweichen. Anden- und Jamesflamingo scheinen ein geringeres Spektrum an Gesten als die anderen Arten zu haben.
Alert posture
Hierbei strecken Flamingos, die den Hals fĂŒr gewöhnlich S-förmig gebogen halten, den Hals senkrecht empor. Diese Geste sieht man meistens, wenn Flamingos aufgeschreckt werden oder eine Gefahr wittern. Ausgehend von einem Individuum ĂŒbernehmen die benachbarten Vögel die Geste.
Head-flagging
Dieses Verhalten folgt meistens der alert posture. Hierbei wird der Hals gestreckt, der Schnabel aufwÀrts gerichtet und der Kopf hin und her geschwenkt. Mit zunehmender Dauer erhöht sich die Geschwindigkeit, die letztlich bei zweimal je Sekunde liegt.
Wing-salute
Oft folgt diese Geste auf das Head-flagging. Mit weiterhin gestrecktem, aber still gehaltenem Hals werden die FlĂŒgel ausgebreitet und die Schwanzfedern aufgerichtet. Etwa zehn Sekunden bleibt der Flamingo reglos in dieser Position, ehe er mit einer anderen Geste fortfĂ€hrt. Da oft Hunderte Vögel beinahe gleichzeitig den wing-salute ausfĂŒhren, erscheint es aus der Ferne, als wĂŒrde die Kolonie schlagartig ihre Farbe Ă€ndern.
Inverted Wing-salute
In dieser Geste wird der Hals horizontal nach vorn gestreckt. Die FlĂŒgel werden nur leicht gespreizt, die Schwanzfedern aufgerichtet.
Twist-preen
Hierbei wird ein FlĂŒgel abgewinkelt; die Handschwingen hĂ€ngen herab, ihre schwarze FĂ€rbung ist weithin gegen den rosa Vogel sichtbar. Gleichzeitig wird der Kopf nach hinten gebogen, als wollte der Vogel sein Gefieder unter der geöffneten Schwinge putzen (to preen). Die Geste ist sehr kurz und folgt meistens auf den Wing-salute.
Wing-leg stretch
Ein FlĂŒgel und ein Bein werden zu einer Seite ausgestreckt. Auch diese Geste ist sehr kurz. Sie folgt bei den groĂen Arten manchmal auf den Wing-salute.
Marching
Eine Gruppe von Hunderten oder gar Tausenden Flamingos lĂ€uft mit vorgestreckter Brust und ausgestrecktem Hals. Sie wechseln abrupt die Richtungen. Oft wird das Head-flagging gleichzeitig ausgefĂŒhrt. Ein Ausstrecken der FlĂŒgel ist in den dicht beieinander stehenden Marschgruppen nicht möglich.
False-feeding
Diese Geste tritt wĂ€hrend des Marching auf. Vor einem Richtungswechsel halten die Vögel ihre Köpfe in das Wasser und fĂŒhren Bewegungen wie bei der Nahrungssuche aus, ehe sie mit der nĂ€chsten Verhaltensweise fortfahren.
Broken-neck
Hierbei wird der Hals in der Mitte so stark gebogen, dass die Schnabelspitze den Halsansatz berĂŒhrt. Die Geste tritt oft wĂ€hrend des Marching auf.
Hooking
Dies ist eine Drohgeste, bei der der Hals vorgestreckt wird; der Kopf sieht nach unten, der Schnabel deutet rĂŒckwĂ€rts zur Brust. Die Federn auf Schultern und RĂŒcken werden aufgerichtet. So nĂ€hert sich der Flamingo dem Angreifer oder einem Artgenossen, den es fernzuhalten gilt.
Neck-swaying threat
Diese Geste folgt als weitere Drohung dem Hooking, wenn dieses allein keinen Erfolg hatte. Der Flamingo schwenkt den Kopf auf und ab, hĂ€lt das RĂŒckengefieder weiterhin aufgerichtet und gibt knurrende Laute von sich. Einer solchen Geste kann ein Kampf folgen. Zu KĂ€mpfen zwischen Artgenossen kann es kurz nach der Paarbildung kommen, wenn die NiststĂ€tte gewĂ€hlt wird. Zu spĂ€teren Zeitpunkten sieht man sie nicht mehr.
Display flights
Kleine Gruppen zwischen vier und fĂŒnfzehn MĂ€nnchen und Weibchen fliegen nach dem Marching auf und beginnen als nah zueinander fliegende Gruppe zu kreisen. Die Flugweise weicht deutlich von dem normalen Flug der Flamingos ab. Die FlĂŒgelschlĂ€ge sind verhĂ€ltnismĂ€Ăig steif und flacher als gewöhnlich. Zeitweilig scheinen die FlĂŒgelschlĂ€ge auch zwischen mehreren Individuen der Gruppe synchron zu sein.cite-ref-s129-13-3[13] Die Gruppe kreist mitunter nur einige Male ĂŒber der Kolonie, sie bleiben aber gewöhnlich fĂŒr etwa 30 Minuten in der Luft. In der Camargue sind solche Display flights vor allem im FrĂŒhling zu sehen.
Kolonien
Eines der auffĂ€lligsten Merkmale von Flamingos ist der hohe Grad, zu dem sie in Kolonien leben. KoloniebrĂŒten hat sich mehrfach unabhĂ€ngig in verschiedenen Vogelordnungen entwickelt und kommt besonders hĂ€ufig bei Wasservögeln vor. Alle Flamingoarten weisen mehrere Merkmale auf, die fĂŒr obligatorische KoloniebrĂŒter typisch sind. Dazu zĂ€hlen die kleinen Brutreviere, die sie verteidigen, die Bildung von CrĂšches oder KindergĂ€rten der noch nicht flĂŒggen Jungvögel, das Fehlen einer aktiven Verteidigung gegenĂŒber PrĂ€datoren und dass die Eischalen nach dem Schlupf der Jungvögel nicht aus dem Nest entfernt werden.cite-ref-15[15]
AuĂer auf den Galapagosinseln brĂŒten Flamingos immer in groĂer NĂ€he zueinander und sind nur sehr selten EinzelbrĂŒter. Das Fortpflanzungsrevier, das sie verteidigen, ist typischerweise sehr klein und misst vom Nest aus meist weniger als die HalslĂ€nge eines ausgewachsenen Flamingos.cite-ref-16[16] Die Fortpflanzungsbereitschaft und der Bruterfolg scheinen davon abhĂ€ngig zu sein, dass eine Kolonie eine MindestgröĂe an Brutpaaren aufweist.cite-ref-17[17]
Flamingos sind wĂ€hrend einer Brutzeit monogam, oft auch darĂŒber hinaus. WĂ€hrend sie in manchen Regionen jĂ€hrlich brĂŒten, lassen anderswo ganze Kolonien eine Brut ausfallen. So brĂŒten Flamingos in Ostafrika etwa alle zwei Jahre. Ob eine Brut stattfindet, hĂ€ngt von den Ă€uĂeren Bedingungen ab, vor allem vom Regen und vom Wasserstand. Manchmal brĂŒten verschiedene Arten gemeinsam in gemischten Kolonien â beispielsweise Rosa- und Zwergflamingos in Ostafrika oder Anden- und Jamesflamingos in SĂŒdamerika.
In groĂen Kolonien in Seen errichten Flamingos ihre Nester, wenn der Wasserstand so weit sinkt, dass groĂe Teile des Sees nahezu trockengefallen sind. Auf Inseln sind die Kolonien kleiner. Vorzugsweise sind diese Inseln schlammig und vegetationslos, manchmal aber auch felsig oder dicht bewachsen.
Nest
In den meisten Kolonien sind die Nester kegelförmige SchlammanhĂ€ufungen. So ein Kegel hat an der Basis einen Durchmesser von 35 bis 56 cm, an der Spitze 22 bis 40 cm; die Höhe betrĂ€gt meistens 30 bis 45 cm. In der Spitze des Kegels befindet sich eine bis zu 20 cm tiefe Aushöhlung. Dieser Schlammkegel schĂŒtzt das Gelege vor Ăberschwemmung, wenn der Wasserspiegel steigen sollte. Oft benutzen die Partner ein bereits existierendes Nest des Vorjahres. Steht ein solches nicht zur VerfĂŒgung, wird der SchlammhĂŒgel von beiden Partnern errichtet, indem Schlamm mit dem Schnabel zwischen die Beine befördert und dort aufgetĂŒrmt wird. Die Weibchen sind beim Nestbau aktiver als die MĂ€nnchen. Die Nester stehen sehr dicht beieinander. Bei den riesigen Kolonien der Zwergflamingos findet man beispielsweise bis zu fĂŒnf Nester je Quadratmeter.
Bei den Kolonien, deren Mitglieder auf felsigem oder bewachsenem Grund brĂŒten, dient als Nest hingegen ein Ring von Steinen oder faulendem Pflanzenmaterial.
Meistens wird nur ein Ei gelegt. Gelege mit zwei Eiern kommen in weniger als 2 % der Nester vor. Die Eier sind weiĂ, manchmal auch blĂ€ulich ĂŒberhaucht. Sie haben einen Durchmesser von 7,8â9,0 Ă 4,9â5,5 cm. Das Gewicht betrĂ€gt 115 bis 140 g. Beide Partner brĂŒten abwechselnd.
Jungenaufzucht
Die Jungen schlĂŒpfen nach 27 bis 31 Tagen. Sie haben zunĂ€chst ein graues Daunenkleid und einen geraden Schnabel. FĂŒnf bis zwölf Tage verbleiben sie im Nest. WĂ€hrend dieser Zeit werden sie von den Altvögeln mit einer Kropfmilch versorgt, die im oberen Verdauungstrakt erzeugt wird. Mit einem Anteil von 9 % Proteinen und 15 % Fett Ă€hnelt diese Milch der Konsistenz von SĂ€ugetiermilch, wird aber sowohl von MĂ€nnchen als auch von Weibchen produziert. Die Milch wird direkt vom Schnabel des Altvogels in den des Jungen gegeben.
Wenn das Junge das Nest verlĂ€sst, kann es eigenstĂ€ndig gehen und schwimmen und schlieĂt sich mit anderen Jungen zu einer âCrĂšcheâ zusammen, die Hunderte oder Tausende von Individuen umfassen kann. Beim Zwergflamingo sind es bis zu 300.000 Junge, die sich zu solch einer Ansammlung zusammenfinden. Die Jungen werden von Altvögeln bewacht; anfangs kommt hierbei ein Altvogel auf zehn, spĂ€ter nur noch auf hundert Junge. Die Elternvögel erkennen ihr eigenes Junges an den Lautgebungen; sie ĂŒbernehmen weiter die FĂŒtterung, bis das Junge im Alter von zehn bis zwölf Wochen einen effektiven Seihschnabel entwickelt hat und nicht mehr auf die Milch angewiesen ist.
Bruterfolg und Lebenserwartung
Obwohl Flamingos oft bereits mit drei Jahren das erste Mal brĂŒten, sind diese Bruten fast nie erfolgreich. In Spanien waren bei Beobachtungen 91,7 % der Bruten von siebenjĂ€hrigen Vögeln erfolgreich. JĂŒngere und Ă€ltere Vögel hatten erheblich weniger Erfolg. So brachten von den drei- bis fĂŒnfjĂ€hrigen Flamingos nur 13,6 % ihre Jungen durch, von den neunjĂ€hrigen nur 50 %. Bedroht sind Gelege unter anderem durch Möwen, KrĂ€hen, Greifvögel und Marabus. GefĂ€hrlicher aber sind unvorhergesehene Ănderungen des Wasserstands. Steigt das Wasser so hoch, dass es die Schlammkegel dauerhaft ĂŒberflutet, kann die Brut einer gesamten Kolonie fehlschlagen. Auch das andere Extrem, das Sinken des Wasserstands bis zur Austrocknung der Nestumgebung, ist gefĂ€hrlich: Die Altvögel können in der NĂ€he des Nests keine Nahrung mehr beschaffen, und Landraubtiere erhalten Zugang zu den Nestern. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Flamingos betrĂ€gt zwanzig bis dreiĂig Jahre; vereinzelt können die Vögel sogar bis zu fĂŒnfzig Jahre alt werden. In Gefangenschaft können sie bei entsprechender Pflege ĂŒber 80 Jahre alt werden.cite-ref-spon-950309-18-0[18]
Stammesgeschichte
Flamingos sind eine sehr alte Vogelgruppe, die auf das OligozĂ€n zurĂŒckgehen â oder gar auf das EozĂ€n, wenn man die Vogelgattung Juncitarsus zu den Flamingos rechnet. Letzteres ist aber wahrscheinlich nicht gerechtfertigt, weil Juncitarsus in einigen Skelettmerkmalen, vor allem im Tarsometatarsus, den Regenpfeifern nĂ€her steht.cite-ref-19[19] Der SchĂ€del von Juncitarsus wurde erst 1987 anhand eines ersten vollstĂ€ndigen Skelettes aus der Grube Messel bei Darmstadt bekannt, der Schnabel zeigt keine besondere Ăhnlichkeit zu unzweifelhaften Flamingos.cite-ref-s-peters-1987-20-0[20]
Die Ă€ltesten Flamingos werden einer Familie Palaelodidae oder Unterfamilie Palaelodinae zugeordnet. Die Gattung Palaelodus war vom OligozĂ€n bis ins MiozĂ€n, nach einem nicht eindeutig zuzuordnenden Knochenfund gar bis ins PleistozĂ€n artenreich verbreitet. Fossilien fand man in Europa, Nord- und SĂŒdamerika sowie Australien.cite-ref-cenozoic-21-0[21]
Die rezente Gattung Phoenicopterus ist ebenfalls bereits aus dem OligozÀn beschrieben, in Form der Art Phoenicopterus croizeti.cite-ref-cenozoic-21-1[21]
Systematik
ĂuĂere Systematik
Es war frĂŒher ĂŒblich, Flamingos den Schreitvögeln zuzuordnen. Nicht nur das Ă€uĂere Erscheinungsbild, sondern auch anatomische Details stimmen ĂŒberein: die Struktur der Dunen junger Flamingos sowie die Beschaffenheit des Beckens und der Rippen weisen starke Parallelen zu den Störchen auf. In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde es gebrĂ€uchlicher, Flamingos in die NĂ€he der GĂ€nsevögel zu stellen. Wie bei diesen sind die Jungen NestflĂŒchter, die Zehen mit SchwimmhĂ€uten verbunden, und die Federlinge (auf Vögeln parasitierende KieferlĂ€use) beider Taxa sind eng miteinander verwandt. Eine dritte Hypothese wurde in den 1980ern aufgestellt: Aufgrund von Fossilfunden und mancher ethologischer Parallelen kam man zu dem Schluss, die Flamingos seien mit Austernfischern und SĂ€belschnĂ€blern verwandt und somit als Familie den Regenpfeiferartigen zuzuordnen.cite-ref-s-peters-1987-20-1[20]cite-ref-22[22] Die DNA-Hybridisierungen von Sibley und Ahlquist platzierten die Flamingos zunĂ€chst wieder dort, wo sie ganz am Anfang standen: in der NĂ€he der Schreitvögel, von denen sie sich vor 48 Millionen Jahren getrennt hĂ€tten.cite-ref-23[23] Andere Untersuchungen aber schienen die GĂ€nsevögel-Hypothese zu bestĂ€tigen, kaum noch eine die Watvögel-Hypothese.
Neuere morphologische und molekulargenetische Analysen brachten schlieĂlich die erhoffte Klarheit und zeigten, dass die Flamingos die Schwestergruppe der Lappentaucher (Podicipedidae) sind.cite-ref-24[24]cite-ref-25[25]cite-ref-26[26]cite-ref-27[27]cite-ref-28[28] Die von beiden Taxa gebildete Klade erhielt den Namen Mirandornithes.cite-ref-29[29]
Innere Systematik
Es gibt zwei Konzepte der inneren Systematik: die Aufteilung der Flamingos auf drei Gattungen Phoenicopterus, Phoeniconaias und Phoenicoparrus, oder die Vereinigung aller Arten in einer gemeinsamen Gattung Phoenicopterus. WÀhrend die letztere Variante die Àltere ist, ist auch die erstgenannte nicht neu: Phoenicoparrus wurde 1856 von Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte aufgestellt, Phoeniconaias 1869 von George Robert Gray. Beide Varianten findet man bis heute. Die Gattung Phoenicopterus unterscheidet sich von den beiden anderen durch einen weniger spezialisierten Lamellenapparat, Phoeniconaias und Phoenicoparrus sind durch Fehlen oder Vorhandensein einer Hinterzehe unterschieden. Im Folgenden wird die Aufteilung in drei Gattungen dargestellt:
âą Phoenicopterus
âą Rosaflamingo (Phoenicopterus roseus)
âą Kubaflamingo (Phoenicopterus ruber)
âą Chileflamingo (Phoenicopterus chilensis)
âą Phoeniconaias
âą Zwergflamingo (Phoeniconaias minor)
âą Phoenicoparrus
âą Andenflamingo (Phoenicoparrus andinus)
âą James-Flamingo (Phoenicoparrus jamesi)
Flamingos und Menschen
Wechselbeziehungen
Flamingos sind bereits in steinzeitlichen Höhlenzeichnungen Spaniens abgebildet, die auf das Jahr 5000 v. Chr. zurĂŒckgehen. Im alten Ăgypten hatte eine Hieroglyphe, die die Farbe Rot darstellte, die Form eines Flamingos. Oft wurde der legendĂ€re Phönix als ein Flamingo dargestellt; von dieser Verbindung kommt auch die Wurzel Phoenic-, die sich in den wissenschaftlichen Namen aller Flamingo-Gattungen findet.
Bei den Römern galten Flamingozungen als Delikatessen, die bei den Banketten der Reichsten aufgetischt wurden. Plinius der Ăltere beschreibt in seiner Naturalis historia den herausragenden Geschmack der Zungen. Ăber einen Zeitraum von zweihundert Jahren finden sich Hinweise auf diese Luxusspeise. Wahrscheinlich waren Flamingos in vorrömischer Zeit im Mittelmeerraum weit verbreitet und wurden durch die Vorlieben der reichen Römer erheblich dezimiert.
Auch in anderen Regionen der Welt wurden Flamingos gejagt, wenn auch nicht wegen ihrer Zungen, so doch wegen ihres Fleisches und ihrer Eier. Mehrere Indianervölker der Anden haben diese Jagd seit langem betrieben, aber auch in Tunesien, Indien und der TĂŒrkei war sie bis ins 20. Jahrhundert ĂŒblich. Die Federn waren dagegen nie begehrt, da sie nach dem Rupfen ihre rosa Farbe verlieren.
Seit langem werden Flamingos auch fĂŒr Zoos und Parks gefangen. Dort zeigte sich, dass die Flamingos ihre rosa Farbe verloren und zudem nicht brĂŒteten. Heute ist es möglich, mit einer speziell entwickelten ErnĂ€hrung Rosa- und Chileflamingo in Zoos zu halten und eine Vermehrung zu ermöglichen; bei den kleinen Arten ist dies jedoch erst sehr wenigen Zoos gelungen, da es den meisten Einrichtungen nicht möglich ist, diesen hochspezialisierten Tieren Nahrung in befriedigender QualitĂ€t zur VerfĂŒgung zu stellen.
Der französische Maler Henri Rousseau schuf Anfang des 20. Jahrhunderts das GemĂ€lde Die Flamingos mit vier rosafarbenen Flamingos in einer Urwaldlandschaft. Eine plastische Darstellung des Flamingos entstand mit dem Flamingobrunnen in Zwickau. Seit den 1990er Jahren erfreut sich von den USA ausgehend der Gartenflamingo aus Plastik wachsender Beliebtheit. Der BĂŒchnerpreistrĂ€ger Jan Wagner schrieb ein Federico Italiano gewidmetes Gedicht mit dem Titel flamingos.cite-ref-30[30]
Bedrohung und Schutz
Die IUCN stuft den Rosaflamingo als nicht gefĂ€hrdet und Chile-, Zwerg- und Jamesflamingo als potenziell gefĂ€hrdet ein. Als einzige gefĂ€hrdete Art gilt der Andenflamingo. Er hat seine wenigen Brutgebiete in unzugĂ€nglichen Gegenden des Altiplano und die Gesamtpopulation wird auf weniger als 50.000 geschĂ€tzt. Der Jamesflamingo galt ab 1924 sogar als ausgestorben, wurde aber 1957 wiederentdeckt. Im Jahr 2000 wurde er aus dem Status gefĂ€hrdet nach potenziell gefĂ€hrdet zurĂŒckgestuft.
Die drei anderen Arten sind zahlreicher, können aber lokal gefÀhrdet sein. Der Zwergflamingo ist in Ostafrika zwar enorm individuenreich, hat dort aber insgesamt nur wenige Brutgebiete. In Westafrika ist er mit 6000 Individuen eine Seltenheit.
Problematisch ist fĂŒr Flamingopopulationen besonders die Habitatzerstörung: Seen werden trockengelegt; Fische werden in zuvor fischfreien Seen ausgesetzt und treten als Nahrungskonkurrenten auf; Salzseen werden fĂŒr die Salzgewinnung erschlossen und sind so nicht mehr fĂŒr Flamingos nutzbar. Eine positive Ausnahme bildet hier die Salzgewinnung auf Bonaire, wo es gelungen ist, den Schutz der dortigen roten Flamingos in die Kondensorteiche zu integrieren, was die Vögel vor Störung schĂŒtzt.cite-ref-31[31] Der Andenflamingo ist darĂŒber hinaus durch den gesteigerten Abbau von Lithium im Zuge des Trends zur ElektromobilitĂ€t bedroht.cite-ref-32[32]cite-ref-33[33]
Zitierte Quellen
Die Informationen dieses Artikels entstammen zum gröĂten Teil den unter Literatur angegebenen Quellen, darĂŒber hinaus werden folgende Quellen zitiert:
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Weblinks
Commons
: Flamingos
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Flamingo
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą Flamingoressourcen von Wildfowl & Wetlands Trust und IUCN/Wetlands International Flamingo Specialist Group